Wie kann sich ein Kunstfestival wie 48 Stunden Neukölln in einer fundamental wandelnden Gesellschaft verorten? Mit unserem Jahresthema „Courage." wollen wir sowohl programmatische als auch experimentelle Ansätze verfolgen:

1. Gemeinsam mit den aktiven Künstlerinnen und Künstlern wollen wir unser Festival für gesellschaftliche Diskussionen und Selbstbefragungen öffnen. Mit dem Diskutieren bzw. dem Aufzeigen von „Courage.“ ist neben dem Ausloten neuer Grenzen auch immer eine aufkommende Kritik der Verhältnisse verbunden. An vielen Stellen sind gesellschaftliche Entwicklungen Anlass zur „Entmutigung“, denn es fehlt die Courage, für eine Freiheit jenseits von Wirtschaftsinteressen einzutreten. Es drängen sich Fragen auf wie zum Beispiel: Wie offen ist unsere Gesellschaft wirklich, welche Freiheiten lassen uns die derzeit geltenden Regeln des Zusammenlebens? Wie können wir uns in unserer Tätigkeit frei entfalten? Wer ist in unserer Gesellschaft sichtbar und wer nicht? Wie viel Verfügungsmacht haben gesellschaftliche Institutionen über unsere Lebensziele und Lebenszeit?

Kunst kommt von „Courage.“ und kann und soll über die Enge des Alltäglichen hinausführen. Courage meint nicht nur die persönliche Freiheit der KünstlerInnen in ihren Werken, sondern auch das Zur-Diskussion-stellen alternativer Lebensentwürfe gegen alle Trends der Prekarisierung. Unser „künstlerisches Labor Nord-Neukölln“ bietet gute Voraussetzungen für die Ausein­andersetzung mit bürgerschaftlichem Engagement, politischer Widerständigkeit und Mut zu Transkulturalität. Es sollen dabei aber nicht rein soziale Projekte entstehen, sondern Projekte, die die sozialen Einflüsse von Kunst und Kreativität aufzeigen. Die KünstlerInnen sind aufgerufen, hierzu subjektiv Stellung zu beziehen. Die Bandbreite der künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten ist dabei wie immer grenzenlos. Von Dokumentation bis Fiktion, Modell oder Wirklichkeit, von analog bis digital.

2. Ein Bereich, der uns besonders interessiert, sind interdisziplinäre Projekte. So soll in diesem Jahr ein Dialog unter den Künsten initiiert werden, der Genregrenzen überschreitet und experimentelle Wege für gemeinsames Arbeiten eröffnet. Wir wollen vor allem Cross-Media-Projekte encouragieren, sich am Festival zu beteiligen oder langjährige TeilnehmerInnen ermutigen sich zusammenzuschließen, um die Synergien ihrer verschiedenen Ansätze zu einem gemeinsamen Ansatz neu zu verbinden. Mit diesen Projekten stellen wir gemeinsam die Frage nach veränderten Verhaltensroutinen in der Kunstpräsentation wie auch nach neuen Möglichkeiten des Kunsterlebens auf Seiten des Publikums.

3. Ein weiterer Schwerpunkt, den wir im Festival gemeinsam mit den beteiligten KünstlerInnen setzen wollen, ist die Einrichtung eines eigenen Festivals für Kinder und Jugendliche. Es geht vor allem darum, die Freude am Kunsterleben zu befeuern. Gemeinsam mit und für junge(n) Menschen wollen wir Zugänge zu Kunst ermöglichen, so dass im gestalterischen Miteinander verschiedenste Erfahrungen gesammelt werden können, die zu einem Interesse an Kunst führen.

Die diesjährigen Projekte sollen für die BesucherInnen stets etwas Unvorhersehbares und Überraschendes bereithalten, das bestehende Grenzen erweitert und neue Gestaltungsmöglichkeiten oder bereits bestehende, aber vielen noch unbekannte Möglichkeiten zugänglich macht. Gemeinsam zeigen wir so als Festival das Potential künstlerischen Arbeitens und ästhetischer Erfahrung. Wir rufen interessierte UtopistInnen, kritische Geister, engagierte EnthusiastInnen – also KünstlerInnen aller Couleur – auf, unsere Stadt- und Kulturräume in den Blick zu nehmen und dort lebendige Orte der Begegnung zu etablieren, unkonventionelle Partizipation zu erproben und gesellschaftliche Verständigungsprozesse zu initiieren. So lassen sich die Aspekte der Andersartigkeit auf vielfältige Weise stark machen und es eröffnen sich Abstraktions-, Aktions- und Interaktionsräume, in denen die Beschäftigung mit Kunst zu einer unverzichtbaren Lebensbereicherung beiträgt. Denn die Courage zur Kunst ist nötiger denn je...